Kom­men­tar zur Kit­a­re­form in Schleswig-Holstein

Ein Kommentar zur Kitareform von der Landessprecherin Marianne Kolter.

von Mari­an­ne Kol­ter — Lan­des­spre­che­rin DIE LINKE. SH

Fami­lie Peters lebt irgend­wo in Bay­ern, ein jun­ges Eltern­paar mit zwei Kin­dern im Alter von 2 und 4 Jah­ren. Ein Eltern­teil hat einen guten Job in Ham­burg gefun­den, ein Eltern­teil wird nach einer Teil­zeit­stel­le suchen. Sie haben zwei gleich­wer­ti­ge Woh­nun­gen gefun­den, eine in Elms­horn, eine in Buch­holz in der Nord­hei­de. Wo zie­hen sie hin?

Mit der Reform des Kin­der­ta­ges­stät­ten­ge­set­zes vom 19.12. hat die Lan­des­re­gie­rung eini­ge Schrit­te in die rich­ti­ge Rich­tung getan, denn jede Ver­bes­se­rung der Situa­ti­on in Kin­der­ta­ges­stät­ten und Krip­pen ist zu begrü­ßen. Ange­sichts der Mil­li­ar­den­über­schüs­se an Steu­er­gel­dern, die in Bund und Land erwirt­schaf­tet wur­den, sind wir jedoch der Mei­nung, hier wäre mehr drin gewesen.

Die geplan­te bes­se­re Per­so­nal­aus­stat­tung und Ver­klei­ne­rung der Betreu­ungs­grup­pen schafft nicht nur für die Kin­der ein bes­se­res Ange­bot, son­dern erleich­tert auch Erzie­he­rin­nen und Erzie­hern ihre anspruchs­vol­le Arbeit. Aber eine Ver­klei­ne­rung der Grup­pen auf 20 Kin­der reicht nicht aus. Das Akti­ons­bünd­nis „Unse­re Kin­der – unse­re Zukunft“ aus Eltern­ver­tre­tun­gen, Gewerk­schaf­ten und Sozi­al­ver­bän­den for­dert Grup­pen­grö­ßen von 16 Kin­dern mit 2 Erzieher*innen in Voll­zeit. Die­ses Ziel wird mit 20, in Aus­nah­me­fäl­len 22 Kin­dern pro Grup­pe weit verfehlt.

Auch die Decke­lung der Kos­ten und die Ein­füh­rung einer ein­heit­li­chen Sozi­al­staf­fel machen Sinn. Wer die Kos­ten für die Eltern aller­dings im Ein­zel­nen betrach­tet, wun­dert sich denn doch, war­um das neue Gesetz als Rie­sen­schritt zur Ver­bes­se­rung der früh­kind­li­chen Betreu­ung und Bil­dung gefei­ert wird.

Ins­be­son­de­re die finan­zi­el­le Ent­las­tung der Eltern ent­puppt sich bei genau­em Hin­se­hen als schwa­ches Argu­ment für ein kin­der­freund­li­ches Schles­wig-Hol­stein. Die Betreu­ung eines 18 Mona­te alten Kin­des kos­tet in Zukunft maxi­mal 141 Euro bei 5 Stun­den, 288 Euro bei 8 Stun­den täg­lich. Die Eltern­bei­trä­ge in den meis­ten Bun­des­län­dern lie­gen deut­lich unter die­sen Beträ­gen, ins­be­son­de­re für Fami­li­en mit Ein­kom­men unter 50.000 Euro. Ähn­li­ches gilt auch für die Eltern­bei­trä­ge für Kin­der über 3.

In vie­len Bun­des­län­dern ist zumin­dest das letz­te Jahr in der Kita frei, in eini­gen weni­gen zah­len Eltern für Kin­der über 3 Jah­ren gar nichts. Dies gilt z.B. für unser Nach­bar­bun­des­land Nie­der­sach­sen. In Meck­len­burg-Vor­pom­mern zah­len Eltern nur für ein Kind, jün­ge­re Geschwis­ter­kin­der sind grund­sätz­lich bei­trags­frei. In Ham­burg zah­len Eltern für 5 Stun­den inklu­si­ve eines Mit­tags­es­sens nichts.

Bil­dung soll­te kos­ten­los sein, auch vor der Schu­le. Wenn die Lan­des­re­gie­rung sich hier­zu nicht durch­rin­gen konn­te, so hät­te es doch wenigs­tens ein bei­trags­frei­es 3. Kita­jahr sein sol­len. Damit kein Kind unvor­be­rei­tet in die Schu­le muss.

Zurück zur Fami­lie Peters. Wo zie­hen sie denn nun hin? Nach Buch­holz in der Nord­hei­de in Niedersachsen.

Mari­an­ne Kol­ter, Landessprecherin