Land­wirt­schaft und Ernährung

Die Agrar­po­li­tik der Bun­des­re­gie­rung steht unter dem Pri­mat der Ori­en­tie­rung der deut­schen und euro­päi­schen Land­wirt­schaft auf eine inter­na­tio­nal „wett­be­werbs­fä­hi­ge“ Waren­pro­duk­ti­on, statt deren Gemein­wohl ori­en­tier­te Ver­sor­gungs­funk­ti­on zu stär­ken. Damit treibt sie selbst die Indus­tria­li­sie­rung und Glo­ba­li­sie­rung der Land­wirt­schaft vor­an. Dabei wird immer kla­rer, dass eine stra­te­gi­sche Ori­en­tie­rung auf Export und Inten­si­vie­rung in der Land­wirt­schaft welt­weit die sozia­len und öko­lo­gi­schen Pro­ble­me in den länd­li­chen Räu­men ver­stär­ken. Kon­zer­ne pro­fi­tie­ren von die­sem Sys­tem­feh­ler. Der so genann­te Struk­tur­wan­del ver­min­dert die Zahl der Arbeits­plät­ze in den länd­li­chen Regio­nen. Höfe wer­den auf­ge­ge­ben und ihre Flä­chen von ande­ren Betrie­ben und immer öfter direkt oder indi­rekt von nicht-land­wirt­schaft­li­chen Akteu­ren über­nom­men. Ver­lo­ren gehen dabei bio­lo­gi­sche Viel­falt, eine nach­hal­ti­ge Bewirt­schaf­tung der natür­li­chen Lebens­grund­la­gen und der Bei­trag der Land­wirt­schaft zum Erhalt der Lebens­fä­hig­keit länd­lich gepräg­ter Regionen.

Die agrar­po­li­ti­sche Stra­te­gie der Welt­markt­ori­en­tie­rung muss zu Guns­ten einer regio­nal ori­en­tier­ten Poli­tik geän­dert wer­den. Regio­na­le Erzeu­gung und Ver­mark­tung schafft regio­na­le Wert­schöp­fung und sichert damit Arbeit und Ein­kom­men. Agrar­be­trie­be brau­chen zudem kos­ten­de­cken­de Erzeuger*innenpreise. Die Grün­dung von Erzeuger*innenorganisationen muss die Markt­po­si­ti­on der Bäuer*innen stär­ken. In Zei­ten sich häu­fen­der Extrem­wetter­eig­nis­se, die außer­halb der Ver­ant­wor­tung der Betrie­be lie­gen, muss es für sie mög­lich sein, Risi­ko­aus­gleichs­rück­la­gen zu bil­den, um schlech­te Jah­re abpuf­fern zu kön­nen. Die­se Rück­la­ge soll steu­er­frei und zweck­ge­bun­den sein, um die eige­nen betrieb­li­chen Kos­ten bei Kri­sen­er­eig­nis­sen decken zu kön­nen. Sie soll auf­grund der beson­de­ren Bedeu­tung für das Gemein­wohl für die Berei­che Land­wirt­schaft und Gar­ten­bau gel­ten. Für den Forst­be­reich soll die Risi­ko­aus­gleichs­rück­la­ge so umge­stal­tet wer­den, dass sie bes­ser genutzt wer­den kann.

„Moder­ne“ Agrar­pro­duk­ti­on ist oft­mals mit der Inten­si­vie­rung von Pro­duk­ti­ons­ver­fah­ren ver­bun­den, die eine gan­ze Rei­he öko­lo­gi­scher Fol­ge­pro­ble­me nach sich zie­hen. Gewäs­ser­be­las­tung, Arten­schwund und die Frei­set­zung von Treib­haus­ga­sen sind eini­ge der nega­ti­ven Aus­wir­kun­gen, die auch bei Ein­hal­ten gesetz­li­cher Vor­schrif­ten ein­tre­ten. Die Frak­ti­on DIE LINKE for­dert daher den Aus­bau des Öko­land­baus und die stär­ke­re Unter­stüt­zung umwelt­freund­li­cher Pro­duk­ti­ons­for­men in der kon­ven­tio­nel­len Land­wirt­schaft. Die Agrar­wirt­schaft ist in vie­len länd­li­chen Regio­nen (noch) eine tra­gen­de Säu­le des wirt­schaft­li­chen und sozia­len Lebens. In der För­de­rung muss künf­tig stär­ker die Mul­ti­funk­tio­na­li­tät der Land­wirt­schaft in länd­li­chen Räu­men berück­sich­tigt wer­den. Ins­be­son­de­re sozia­le Leis­tun­gen – wie Arbeits­plät­ze, Aus­bil­dung, Fort­bil­dung — müs­sen hono­riert werden.

Zusätz­li­che Infor­ma­tio­nen bie­ten der Antrag „Steu­er­freie Risi­ko­aus­gleichs­rück­la­ge für Land­wirt­schaft, Forst und Gar­ten­bau“ sowie die The­men Gen­tech­nik in der Land­wirt­schaft und Länd­li­che Räu­me.