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Bundestagsfraktion

Am Don­ners­tag gab es eine Aus­spra­che zur Regie­rungs­er­klä­rung der Bun­des­kanz­le­rin. Für die Frak­ti­on DIE LIN­KE sprach Diet­mar Bartsch, der in sei­ner Rede klar macht, dass vie­le Maß­nah­men der Bun­des­re­gie­rung über dem Som­mer ver­schla­fen wur­den. Diet­mar Bartsch sag­te, dass wir zuneh­mend eine Kluft zwi­schen dem, was die Bun­des­re­gie­rung leis­tet, und dem, was Sie den Bür­ge­rin­nen und Bür­ger abver­lan­gen erle­ben. An zen­tra­len Stel­len der Pan­de­mie­be­kämp­fung zeigt sich die Bun­des­re­gie­rung offen­sicht­lich über­for­dert und wur­den Ihrer Ver­ant­wor­tung in vie­len Fra­gen seit dem Som­mer nicht gerecht. Nun schiebt die Bun­des­re­gie­rung alles auf die Bür­ge­rin­nen und Bür­ger und viel­fach auch auf das Pri­va­te. Zurecht wies Diet­mar Bartsch dar­auf hin, dass die Akzep­tanz der Maß­nah­men so in der Bevöl­ke­rung wei­ter schwin­den wird. Aus­zü­ge aus der Rede:

👉 Frau Kar­li­c­zek, Sie spre­chen über war­me Pull­over in Schul­klas­sen – Wochen nach­dem die Kin­der schon mit der Situa­ti­on umge­hen müs­sen. Wo aber sind denn die Luft­fil­ter in den Schu­len? 9 Mil­li­ar­den Euro für die Luft­han­sa und nicht 1 Mil­li­ar­de Euro für ein Bun­des­pro­gramm für Luft­fil­ter, das ist doch nicht in Ord­nung!

👉 Herr Scheu­er, wann sind Sie das letz­te Mal Bus oder Bahn gefah­ren? In den S‑Bahnen und in den Regio­nal­bah­nen ist so gut wie nichts pas­siert nach der Pan­de­mie; die sind voll. In den Schul­bus­sen ist teil­wei­se weni­ger Platz als in Ölsar­di­nen­büch­sen. Dass Sie da jetzt end­lich etwas tun, dass Sie das ent­zer­ren wol­len: Na Don­ner­wet­ter, kurz vor dem Dezem­ber! Das hät­te schon längst pas­sie­ren müs­sen!

👉 Frau Grüt­ters, wann hel­fen Sie der Kul­tur? Wann fließt das Geld an die Thea­ter und in die Ver­an­stal­tungs­bran­che? Nach deren Plei­te? Da herrscht Alarm­stu­fe Rot. Ohne Kul­tur wird es still und düs­ter in unse­rem Land, und der Win­ter, der kommt erst noch.

👉 Herr Alt­mai­er – bes­te Grü­ße in die Qua­ran­tä­ne; Sie wer­den sicher­lich bei Phoe­nix der Debat­te zuschau­en –: Wie lan­ge braucht Ihr Minis­te­ri­um, um eine Home­page zu pro­gram­mie­ren? Offen­bar län­ger, als ande­re für die Ent­wick­lung eines Impf­stof­fes brau­chen. Sie hat­ten aber zuge­sagt, dass das umge­hend pas­siert, und erst ges­tern ist es umge­setzt wor­den. Bis heu­te ist kein Cent aus­ge­zahlt; die Novem­ber­hil­fen wer­den frü­hes­tens im Dezem­ber kom­men, aber nur als Abschlags­zah­lung. Was ist denn das für eine Pro­fes­sio­na­li­tät? Das muss doch schnel­ler gehen. Genau­so ist es mit den Restau­rant­be­trie­ben. Denen ist Ende Okto­ber erzählt wor­den: befris­te­te Schlie­ßun­gen bis Ende Novem­ber, und Hil­fen sofort. Aber bei­des ist nicht ein­ge­tre­ten. Jetzt wird ver­län­gert. Ich will über­haupt nicht an der Maß­nah­me zwei­feln. Aber: Wer schließt, der muss auch umge­hend hel­fen. Das aber schaf­fen Sie nicht, und das ist eben nicht in Ord­nung.

👉 Herr See­hofer – nicht nur aufs Han­dy gucken! –: Ich habe Ihr Minis­te­ri­um gefragt, wie vie­le Men­schen aus Risi­ko­ge­bie­ten nach Deutsch­land ein­ge­reist sind und getes­tet wur­den. Ant­wort: Sie haben kei­ner­lei Kennt­nis­se. – Wie will man eigent­lich die Pan­de­mie bekämp­fen, ohne zu wis­sen, wie vie­le Men­schen aus Risi­ko­ge­bie­ten unge­tes­tet ein­rei­sen? Es sind doch die Grenz­re­gio­nen, wo wir so gro­ße Pro­ble­me haben. Das ist für mich unfass­bar.

👉 Herr Spahn – um ihn auch noch zu erwäh­nen –: Wann kom­men denn nun die flä­chen­de­cken­den Schnell­tests in den Pfle­ge­hei­men? Jetzt sol­len siche­re FFP2-Mas­ken an Risi­ko­grup­pen ver­teilt wer­den. In Bre­men ist das im Übri­gen schon pas­siert. Das ist eine rich­ti­ge Maß­nah­me. Aber war­um sind die Mas­ken nicht vor der zwei­ten Wel­le ver­teilt wor­den?

Heu­te gab es eine hit­zi­ge Debat­te im Deut­schen Bun­des­tag. Die Koali­ti­ons­frak­tio­nen CDU/CSU und SPD hat­ten eine aktu­el­le Stun­de anbe­raumt zu den Ereig­nis­sen am Mitt­woch im Reichs­tags­ge­bäu­de. Drei AfD-Abge­ord­ne­te hat­ten rech­te Influencer:innen in das Par­la­ments­ge­bäu­de geschleust, die meh­re­re Abge­ord­ne­te und Mitarbeiter:innen bedräng­ten und belei­dig­ten. Dabei scheu­ten sie sich auch nicht davor, sich uner­laub­ten Zugang zu Abge­ord­ne­ten­bü­ros zu ver­schaf­fen. Für die Links­frak­ti­on im Bun­des­tag sprach die Vize­prä­si­den­tin des Bun­des­ta­ges, Petra Pau. Sie zog Par­al­le­len zu 1928 und der Ansa­ge der NSDAP sei­ner­seits: „Wir kom­men nicht als Freun­de, auch nicht als Neu­tra­le, wir kom­men als Fein­de, wie der Wolf in die Schaf­s­her­de ein­bricht, so kom­men wir.“ Vertreter:innen der AfD hät­ten genau die­se Dro­hung sowohl im Wort­laut als auch im Agie­ren auf­ge­nom­men, so Pau. Die­se Vertreter:innen sähen sich selbst als Nach­fol­ge die­ser faschis­ti­schen Par­tei und das sei erhel­lend und ver­hee­rend, fuhr Petra Pau fort. Es sei folg­lich logisch für etli­che Abge­ord­ne­te der AfD, dass sie ande­re Per­so­nen in den Reichs­tag hol­ten, um ande­re Men­schen und Parlamentarier:innen zu bedrän­gen und bedro­hen. Die gesam­te Rede von Petra Pau im Bei­trag. Kein Fuß­breit den Faschist:innen.

„Älte­re Men­schen sind ein wich­ti­ger Teil der Gesell­schaft. Wir müs­sen uns gegen deren Aus­gren­zung stark­ma­chen“, mahnt Pia Zim­mer­mann, Spre­che­rin für Pfle­ge­po­li­tik, anläss­lich des Inter­na­tio­na­len Tags der älte­ren Genera­ti­on am 1. Okto­ber 2020. „Die Armuts­ge­fähr­dung ist im Alter höher als in jun­gen Jah­ren, das Pfle­ge­ri­si­ko steigt eben­falls – und ein Pfle­ge­be­darf lässt die monat­li­chen Aus­ga­ben sprung­haft anstei­gen. Die­se Fak­to­ren erschwe­ren die sozia­le Teil­ha­be älte­rer Men­schen. Nun kommt auch noch Coro­na hin­zu. Die Gesell­schaft muss sich soli­da­ri­scher zei­gen, um die älte­re Genera­ti­on nicht ein­fach abzu­kop­peln.“ Zim­mer­mann wei­ter: „Kon­takt­be­schrän­kun­gen bis hin zu Besuchs­ver­bo­ten in Pfle­ge­hei­men sowie die Zuge­hö­rig­keit zu einer Risi­ko­grup­pe kön­nen zu erheb­li­chen psy­chi­schen und emo­tio­na­len Belas­tun­gen füh­ren. Die Bun­des­re­gie­rung hat die beson­de­re Lage und die beson­de­ren Bedürf­nis­se älte­rer Men­schen in ihren Pan­de­mie­plä­nen zu wenig berück­sich­tigt. Das muss sich ändern. Der Grad der Huma­ni­tät einer Gesell­schaft bemisst sich dar­an, wie sie mit ihren schwächs­ten Mit­glie­dern umgeht, mit den Men­schen, die auf Unter­stüt­zung ange­wie­sen sind. Dazu gehö­ren die Alten. Vor allem, wenn sie Pfle­ge brau­chen.“

„In einem rei­chen Land wie Deutsch­land ist es eine Schan­de, dass die Gro­ße Koali­ti­on die zuneh­men­de Alters­ar­mut leug­net und nichts dage­gen unter­nimmt. Die Zah­len des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes bele­gen es ein­deu­tig: Für die heu­ti­gen Rent­ne­rin­nen und Rent­ner brau­chen wir sofort eine Soli­da­ri­sche Min­dest­ren­te, so dass im Alter nie­mand von weni­ger als 1200 Euro leben muss, und prä­ven­tiv einen gesetz­li­chen Min­dest­lohn in Höhe von min­des­tens zwölf Euro“, erklärt Mat­thi­as W. Birk­wald , ren­ten­po­li­ti­scher Spre­cher der Frak­ti­on DIE LIN­KE. Birk­wald wei­ter: „Die neu­en Zah­len des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes zei­gen nicht nur den dras­ti­schen Anstieg der Alters­ar­mut, son­dern auch die Ursa­chen auf. 17,4 Pro­zent aller Frau­en und 13,5 Pro­zent aller Män­ner über 64 leben unter­halb der Armuts­schwel­le von 1.074 Euro (Ein-Per­so­nen-Haus­halt). Beson­ders gefähr­det sind dem­nach Rent­ne­rin­nen und Rent­ner, deren zu nied­ri­ges Ein­kom­men von stei­gen­den Mie­ten und Lebens­hal­tungs­kos­ten auf­ge­fres­sen wird. Zu den 562.000 Men­schen, die im Alter auf Sozi­al­hil­fe ange­wie­sen sind, kom­men des­halb noch ein­mal 200.000 Rent­ner­haus­hal­te, die des­halb Wohn­geld bezie­hen, hin­zu. Beson­ders gefähr­det sind ost­deut­sche Män­ner, die nach der Wen­de zu vie­le Jah­re arbeits­los waren und dar­um kei­ne oder nur gerin­ge Ren­ten­an­sprü­che auf­bau­en konn­ten. Die schwarz-rote Koali­ti­on hat im Kampf gegen Alters­ar­mut kom­plett ver­sagt. 1,8 Mil­lio­nen Erwerbs­min­de­rungs­rent­ne­rin­nen und ‑rent­ner wur­den von CDU/CSU und SPD bei jeder Reform ver­ges­sen. Die soge­nann­te ‚Grund­ren­te‘ wur­de so stark von der Uni­on zusam­men­ge­kürzt, dass nur noch 1,3 Mil­lio­nen Men­schen statt drei Mil­lio­nen Men­schen von ihr pro­fi­tie­ren wer­den. Bei den wenigs­ten wird sie Alters­ar­mut ernst­haft bekämp­fen. Wenn im kom­men­den Jahr die Ren­ten­an­pas­sung aus­fie­le, ver­schärf­te sich die Situa­ti­on wei­ter. Des­halb for­dert DIE LIN­KE ein Reform­pa­ket zur Bekämp­fung der Alters­ar­mut: Eine Rück­kehr zu einem lebens­stan­dard­si­chern­den Ren­ten­ni­veau von 53 Pro­zent, einen gesetz­li­chen Min­dest­lohn in Höhe von zwölf Euro, einen armuts­fes­ten Ren­ten­zu­schlag für Nied­rig­löh­ne, die Abschaf­fung der Abschlä­ge für Erwerbs­min­de­rungs­ren­ten oder einer wir­kungs­glei­chen Maß­nah­me und die Ein­füh­rung einer ein­kom­mens- und ver­mö­gens­ge­prüf­ten Soli­da­ri­schen Min­dest­ren­te von 1.200 Euro monat­lich.“

In Beglei­tung der Bun­des­tags­ab­ge­ord­ne­ten Cor­ne­lia Möh­ring und Rats­frau Gabrie­le Rit­ter kamen die Kreis­vor­sit­zen­den Kat­ri­ne Hoop und Luca Grim­min­ger zu einem infor­ma­ti­ven Nach­mit­tag mit dem Betriebs­rat und der IG Metall zusam­men. Ins­ge­samt bot sich lei­der ein ruhi­ges Bild. Die Werft steht still. Vie­le Arbeiter:innen sind in Kurz­ar­beit, 234 Arbeiter:innen in einer Trans­fer­ge­sell­schaft. Glück­li­cher­wei­se haben die Werftarbeiter:innen Mut und Hoff­nun­gen nicht ver­lo­ren. Eines ist klar: Wir tra­fen auf hoch­mo­ti­vier­te Fach­kräf­te, die unbe­dingt wie­der anfan­gen wol­len, Schif­fe zu bau­en. Cor­ne­lia Möh­ring ver­sprach, das The­ma Werft in der Lin­ken Bun­des­tags­frak­ti­on ein­zu­brin­gen und das The­ma ins­ge­samt auf die Ber­li­ner Agen­da zu setz­ten. Wir kämp­fen für den Erhalt der tarif­ge­bun­de­nen Indus­trie­ar­beits­plät­ze in unse­rer Regi­on. Vie­le Zubrin­ger­be­trie­be und gut bezahl­te Arbeits­plät­ze hän­gen an der Exis­tenz der Werft, die nicht aus unse­rer Stadt weg­zu­den­ken ist.

Ges­tern hat das Bun­des­amt für Ver­fas­sungs­schutz ihren jähr­li­chen Bericht ver­öf­fent­licht. Die vor­ge­leg­ten Zah­len, die einen mut­maß­li­chen Gleich­stand von Rechts- und Links­ex­tre­mis­mus dar­le­gen sol­len, sind befremd­lich. Es drängt sich der Ein­druck auf, als sei nach Auf­nah­me der rechts­ex­tre­mis­ti­schen AfD-Grup­pie­run­gen ‚Der Flü­gel‘ (7.000 Mit­glie­der) und ‚Jun­ge Alter­na­ti­ve‘ (1.600 Mit­glie­der) in das Zah­len­werk eine Anwei­sung ergan­gen, auch die Zah­len zum Links­ex­tre­mis­mus künst­lich her­auf­zu­rech­nen, um an einer absur­den Huf­ei­sen­theo­rie und der Gleich­set­zung von rechts und links fest­hal­ten zu kön­nen“.

Es ist höchst alar­mie­rend, dass rech­te Struk­tu­ren bis in die Bun­des­wehr und in Poli­zei­be­hör­den hin­ein­rei­chen, wie nicht zuletzt auch die jüngs­ten mas­si­ven Bedro­hun­gen gegen Jani­ne Wiss­ler, die Frak­ti­ons­vor­sit­zen­de der LIN­KEN im Hes­si­schen Land­tag, zei­gen.

Die Lis­te der Skan­da­le des BfV ist lang und jeder ein­zel­ne zeigt, dass der Ver­fas­sungs­schutz ein Fremd­kör­per in der Demo­kra­tie ist und abge­schafft gehört. Wäh­rend sich die Behör­de damit beschäf­tig­te meh­re­re Abge­ord­ne­te der Frak­ti­on DIE LIN­KE abzu­hö­ren, u.a. die Vize­prä­si­den­tin des Bun­des­ta­ges Petra Pau und den heu­ti­gen Minis­ter­prä­si­den­ten des Frei­staa­tes Thü­rin­gen, Bodo Rame­low, zogen mit dem NSU Nazis mor­dend durchs Land. Als letz­te­re auf­flo­gen, war die ers­te Reak­ti­on der Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­den nicht etwas zur Auf­klä­rung bei­zu­tra­gen, im Gegen­teil, es wur­den mas­sen­haft Akten geschred­dert. Über Jah­re gab es ein dich­tes Netz von V‑Leuten, wel­che von den Ver­fas­sungs­schutz­be­hör­den ein dickes Taschen­geld beka­men, ohne auch nur den Hin­weis auf einen ein­zi­gen Mord zu lie­fern.

DIE LIN­KE. möch­te das V‑Leute Wesen sofort been­den und den Ver­fas­sungs­schutz abschaf­fen. Er ist nicht kon­trol­lier­bar und führt ein gefähr­li­ches Eigen­le­ben als Staat im Staat. „Fein­de der Demo­kra­tie“ soll­ten mit den Mit­teln der Demo­kra­tie bekämpft wer­den, nicht jedoch mit Mit­teln, die der demo­kra­ti­schen Kon­trol­le ent­zo­gen wur­den. An Stel­le des Ver­fas­sungs­schut­zes soll eine Infor­ma­ti­ons- und Doku­men­ta­ti­ons­stel­le für Men­schen­rech­te, Grund­rech­te und Demo­kra­tie und Bund und Län­dern geschaf­fen wer­den.

Wel­che Lob­by­is­ten neh­men eigent­lich wann wel­chen Ein­fluss auf den Gesetz­ge­bungs­pro­zess? Hier soll­te es Trans­pa­renz geben, fin­den wir, und haben des­halb schon zu Beginn die­ser Wahl­pe­ri­ode einen Gesetz­ent­wurf ein­ge­bracht, der ein Lob­by­is­ten­re­gis­ter ver­bind­lich machen wür­de. Doch die Gro­ße Koali­ti­on ver­schleppt die Anhö­rung zu unse­rem Ent­wurf und blo­ckiert so den Weg hin zu mehr Trans­pa­renz. Des­we­gen wird die Frak­ti­on DIE LIN­KE wei­ter wie bis­her zu jedem Gesetz in einer Klei­nen Anfra­ge abfra­gen, wer Ein­fluss auf das Gesetz­ge­bungs­ver­fah­ren genom­men hat und die Ant­wor­ten öffent­lich machen – für jedes ein­zel­ne Gesetz.

Wahr­schein­lich hat Phil­ipp Amt­hor mei­ne Kolum­ne »Frei­tag um eins« vor dem Lan­des­vor­stand gele­sen.

Die Men­schen in Meck­len­burg-Vor­pom­mern sind in der Regel ruhi­ge, beschei­de­ne Men­schen. Men­schen, die hart und ehr­lich arbei­ten. Kei­ne Wich­tig­tu­er. Das erklärt u.a. die Wahl­er­fol­ge der Kanz­le­rin. Da wird abends mal ein küh­les Bier getrun­ken. Cham­pa­gner ist etwas für Schiffstau­fen. Dass es aus­ge­rech­net ein Abge­ord­ne­ter aus Meck­len­burg-Vor­pom­mern ist, der ein Fai­ble für Luxus­ho­tels und Cham­pa­gner hat, ist völ­lig dane­ben.

Mit Mit­te 20 ist Amt­hor in den Bun­des­tag ein­ge­zo­gen. Weni­ge Mona­te spä­ter war das schon nicht mehr genug, er miss­brauch­te sein Man­dat, um sich als Lob­by­ist für eine New Yor­ker Fir­ma mit Sitz in der Steu­er­oa­se und Brief­kas­ten­fir­men­hoch­burg Dela­ware ein­zu­set­zen. Wir kämp­fen im Bun­des­tag gegen Steu­er­oa­sen, selbst man­che aus der Uni­ons­frak­ti­on, und er arbei­te­te für eine. Unfass­bar!

Amt­hor spricht von einem Feh­ler. Was für eine Ver­nied­li­chung! Ein Feh­ler kann nicht fast zwei Jah­re andau­ern. So lan­ge war er zwi­schen St. Moritz, Kor­si­ka, New York oder auf dem Okto­ber­fest für eine US-Fir­ma unter­wegs, nicht für die Werf­ten in M‑V..

Ein­zel­fall oder Struk­tur? Zumin­dest die Bilanz der CDU und CSU in die­ser Legis­la­tur­pe­ri­ode ist erschre­ckend: Mil­lio­nen­schwe­re Bera­ter­ver­trä­ge für exter­ne Kum­pels und frü­he­re Kol­le­gen unter Frau von der Ley­en. Ein Mega­scha­den für den Steu­er­zah­ler beim Maut-Murks durch Ver­kehrs­mi­nis­ter Scheu­er und sei­ne CSU-Vor­gän­ger. Die Aser­bai­dschan-Affä­re von Frau Strenz und jetzt Amt­hor. Der sich nicht ent­schei­den kann zwi­schen Seen­plat­te und Scham­pus, zwi­schen Par­la­ment und Lob­by, zwi­schen den Inter­es­sen der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger Meck­len­burg-Vor­pom­merns und den Inter­es­sen einer US-Fir­ma. Wer hat die Rech­nun­gen bezahlt? Die Flü­ge, die Über­nach­tun­gen, die teu­ren Essen? Amt­hor schweigt.

Er hat sich noch nicht ein­mal ent­schul­digt, vor allem nicht bei den Men­schen in Meck­len­burg-Vor­pom­mern. Sein Ver­hal­ten scha­det dem Anse­hen der Poli­tik, dem Anse­hen des Deut­schen Bun­des­ta­ges, dem Anse­hen mei­nes Hei­mat­lan­des Meck­len­burg-Vor­pom­merns. Wenn die CDU in Meck­len­burg-Vor­pom­mern Anstand besitzt, wird er nicht noch mit dem Lan­des­vor­sitz belohnt.

Der­zeit ist Phil­ipp Amt­hor in aller Mun­de. Noch ist nicht klar, ob Herr Amt­hor gegen das Abge­ord­ne­ten­ge­setz ver­sto­ßen hat. Zwei­fel­haft ist es alle­mal. Die Bun­des­tags­ver­wal­tung muss jetzt han­deln und die Geschäf­te von Phil­lipp Amt­hor auf­klä­ren. Angeb­lich ist bis­her kein Geld geflos­sen, aber Akti­en­an­tei­le in einem nicht uner­heb­li­chen Maß.

Lob­by­ar­beit in einem demo­kra­ti­schen Par­la­ment ist an sich nichts ver­werf­li­ches. Lob­by­ar­beit ist sogar wich­tig, damit sich Abge­ord­ne­te über die Situa­tio­nen in ver­schie­de­nen Berei­chen unse­rer Gesell­schaft infor­mie­ren las­sen. Bedenk­lich wird es jedoch, wenn die Ein­fluss­nah­me mit Geld, Akti­en und ande­ren Vor­tei­len soweit aus­ge­baut wird, dass Anstand und Moral ver­lo­ren gehen und Ein­zel­in­ter­es­sen im Vor­der­grund ste­hen.

Die Links­frak­ti­on im deut­schen Bun­des­tag for­dert schon lan­ge ein­deu­ti­ge Richt­li­ni­en für Lob­by­is­ten:

  • Lob­by­re­gis­ter beim Deut­schen Bun­des­tag und den Minis­te­ri­en.
  • Karenz­zei­ten für aus­schei­den­de Poli­ti­ker.
  • Ver­bot von so genann­ten „Leih­be­am­ten“ in Minis­te­ri­en.
  • Offen­le­gung der Neben­tä­tig­kei­ten von Abge­ord­ne­ten.
  • Straf­bar­keit der Abge­ord­ne­ten­be­stechung an inter­na­tio­na­les Niveau anglei­chen.
  • Ver­bot von Unter­neh­mens­spen­den an Par­tei­en.
  • Ver­bot des Spon­so­ring von Ver­an­stal­tun­gen von Par­tei­en und Minis­te­ri­en.

Ein ver­pflich­ten­des Lob­by­re­gis­ter wür­de durch eine gesetz­li­che Rege­lung ein­ge­führt und auf­zei­gen, wel­che Akteu­re sich mit ihren Inter­es­sen in Poli­tik­pro­zes­se ein­brin­gen und wel­che Res­sour­cen sie dafür auf­wen­den. Doch ent­ge­gen der Ver­spre­chen, end­lich trans­pa­ren­ter agie­ren zu wol­len, ver­wei­gert die Bun­des­re­gie­rung erneut ein Lob­by­re­gis­ter.

Ein Lob­by­re­gis­ter wäre der ers­te rich­ti­ge Schritt. Denn die­ses Zeigt an, wel­che Ver­tre­ter sich an Gesetz­ge­bun­gen und Ent­schei­dungs­pro­zes­sen betei­li­gen und wel­che Mit­tel zur Ein­fluss­nah­me­sie dafür ein­setz­ten. Die Gro­Ko Par­tei­en SPD/CDU-CSU haben aber bis­her, vehe­ment solch eine Rege­lung abge­lehnt. Unver­ständ­lich, denn eine gute Demo­kra­tie lebt von trans­pa­ren­ten Ent­schei­dungs­pro­zes­sen!

Pres­se­mit­tei­lung von Nie­ma Movas­sat, 20. April 2020

„Welt­weit haben heu­te schon fast 130 Mil­lio­nen Men­schen lega­len Zugang zu Can­na­bis für den Frei­zeit­kon­sum. In Deutsch­land wird jedoch wei­ter in Kauf genom­men, dass Men­schen wegen ein­fa­chen Can­na­bis­de­lik­ten kri­mi­na­li­siert wer­den – allein im Jahr 2019 betraf das mehr als 186.000 Per­so­nen. Das ist ein Anstieg um 28 Pro­zent in nur drei Jah­ren. Immer mehr Can­na­bis­kon­su­men­tin­nen und Can­na­bis­kon­su­men­ten müs­sen somit um ihren Arbeits­platz, ihren Ruf und ihre finan­zi­el­le Lage fürch­ten“, erklärt Nie­ma Movas­sat, dro­gen­po­li­ti­scher Spre­cher der Frak­ti­on DIE LIN­KE, mit Blick auf den Welt-Can­na­bis-Tag am 20. April. Movas­sat wei­ter:

„Die gesund­heit­li­chen Risi­ken, mit denen die Pro­hi­bi­ti­on begrün­det wird, wer­den zudem durch die Kri­mi­na­li­sie­rung unnö­tig erhöht. Denn ohne staat­li­che Kon­trol­len ist auch Can­na­bis immer wie­der mit schäd­li­chen Sub­stan­zen gestreckt.

Ange­sichts der Coro­na-Kri­se wäre Lega­li­sie­rung von Can­na­bis als Genuss­mit­tel umso wich­ti­ger. Lei­der bremst der Virus aber gera­de meh­re­re Lega­li­sie­rungs­plä­ne aus. In ein­zel­nen US-Staa­ten, die eine Lega­li­sie­rung geplant hat­ten, wer­den vor­erst ande­re Prio­ri­tä­ten gesetzt. In Mexi­ko wird die für Ende April geplan­te Bil­li­gung des Geset­zes­ent­wurfs für die Can­na­bis­le­ga­li­sie­rung sehr wahr­schein­lich ver­scho­ben, da zen­tra­le Akteu­re ihre Arbeit aus­ge­setzt haben. Län­der wie z.B. Kana­da, die bereits lega­li­siert haben, kön­nen hin­ge­gen auch in Kri­sen­zei­ten ihre Kon­su­men­tin­nen und Kon­su­men­ten mit kon­trol­liert ange­bau­tem Can­na­bis ver­sor­gen. In Deutsch­land hin­ge­gen haben die getrof­fe­nen Pan­de­mie-Maß­nah­men auch Aus­wir­kun­gen auf dem ille­ga­len Dro­gen­markt. Die Nach­fra­ge scheint unge­bro­chen, aber das Ange­bot ver­rin­gert sich. Mit Eng­päs­sen stei­gen die Prei­se und sinkt die Qua­li­tät. Die Wahr­schein­lich­keit, dass Dro­gen mit gesund­heits­schäd­li­chen Sub­stan­zen gestreckt sind, ist jetzt noch höher. DIE LIN­KE for­dert daher: Regu­lie­rung von Can­na­bis durch staat­lich kon­trol­lier­ten Anbau und Ver­kauf. Die Lega­li­sie­rung ist lan­ge über­fäl­lig, und die Gesund­heit der erwach­se­nen Bevöl­ke­rung aufs Spiel zu set­zen, ist fahr­läs­sig – nicht nur zu Coro­na­zei­ten.“

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Neu­es­te Bei­trä­ge

Fro­he Weih­nach­ten
25. Dezember 2020
Tat­säch­li­che Arbeits­lo­sig­keit 11/2020
2. Dezember 2020
Welt-Aids-Tag 2020
1. Dezember 2020
Glück auf!
28. November 2020
Fai­re Tarif­ver­trä­ge für den Ein­zel­han­del!
26. November 2020

Kate­go­rien

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