Wem gehört die Stadt?

Von Katrine Hoop - designierte Kandidatin für die Bundestagswahl im Wahlkreis 1

Ich bin erschöpft, ent­täuscht und trau­rig. Trau­rig, weil ein inner­städ­ti­sches Bio­top unwie­der­bring­lich zer­stört ist. Ent­täuscht, weil das eigen­mäch­ti­ge Vor­ge­hen der Inves­to­ren mit einer Räu­mung belohnt wird. Erschöpft, weil ich heu­te furcht­ba­re Angst gehabt habe um das Leben der jun­gen Klimaaktivist*innen in den Bäumen. 

Ich bin auch empört, des­il­lu­sio­niert und wütend. Wütend, weil ein Bau­vor­ha­ben mit den zu erwar­ten­den Mas­sen­pro­tes­ten mit­ten in einer Pan­de­mie durch­ge­zo­gen wird. Des­il­lu­sio­niert, weil ich bis zuletzt die Hoff­nung gehabt habe, dass ein Umden­ken in Poli­tik und Ver­wal­tung mög­lich ist. Empört, weil ich den Umgang mit den Pro­tes­tie­ren­den intrans­pa­rent und kon­tra­pro­duk­tiv finde. 

Kli­ma­ge­rech­tig­keit bedeu­tet nicht nur, die welt­wei­ten Pro­tes­te zu loben. Wir müs­sen dafür auch hier vor Ort einen Schal­ter im Kopf umle­gen: Es ist nicht ver­rückt, Bäu­me zu schüt­zen. Es wäre ver­rückt es nicht zu tun. 

Die Stär­kung des zivil­ge­sell­schaft­li­chen Enga­ge­ments bedeu­tet nicht nur, geord­ne­te Bürger*innenbeteiligungsverfahren zu ent­wi­ckeln. Wir müs­sen unge­ord­ne­te, spon­ta­ne Bewe­gun­gen ernst neh­men, Impul­se auf­grei­fen und im Dia­log bleiben. 

Ich möch­te nicht in einer Stadt leben mit Hoch­glanz­ho­tels und Mas­sen­kul­tur, die allein der Pro­fit­ma­xi­mie­rung die­nen. Ich möch­te an einem Ort leben, wo Gemein­schaft von unten wach­sen kann, wo Men­schen quer zu Unter­schie­den zusam­men kom­men und das gute Leben selbst gestal­ten können. 

Ich wün­sche mir eine Stadt mit Luft­schloss­fa­bri­ken, Kul­tur­pro­jek­ten, Sport­plät­zen, Wagen­le­ben, Fle­der­mäu­sen, Bäu­men und bun­ten Auf­kle­bern in der Nor­der­stra­ße. Ich will Räu­me schaf­fen, wo ein Blick auf in eine bes­se­re Welt mög­lich ist, wo Uto­pie erprobt wer­den kann. 

In Flens­burg ent­ste­hen immer wie­der sol­che Orte, wo unter­schied­lichs­te Men­schen zusam­men wir­ken und ein Moment der Hoff­nung ent­steht. Den Wald hat es lei­der nicht geret­tet. Und im Moment rast die Wut und Ver­zweif­lung. Ich hof­fe, dass wir uns davon nicht ent­mu­ti­gen las­sen, son­dern wei­ter strei­ten für eine lebens­wer­te Stadt.