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Parteivorstand

Ein Kom­men­tar von Bernd Riex­in­ger, Par­tei­vor­sit­zen­der der Lin­ken.

Applaus und Dank erset­zen nicht die ange­mes­se­ne mate­ri­el­le Aner­ken­nung der Mehr­be­las­tung und der Gesund­heits­ri­si­ken für die Beschäf­tig­ten im Ein­zel­han­del. 200 Euro Bonus für zwei Mona­te, wie sie bei REWE gezahlt wer­den, sind weit davon ent­fernt, eine ange­mes­se­ne Aner­ken­nung der Leis­tung zu sein. Ande­re, wie Lidl und Aldi, zah­len den Beschäf­tig­ten nicht ein­mal Geld aus, son­dern geben Boni in Form von Waren­gut­schei­nen und ähn­li­chem, die nur im eige­nen Laden ein­ge­löst wer­den kön­nen. Die Beschäf­tig­ten wer­den hier prak­tisch in Natu­ra­li­en bezahlt.

Bemer­kens­wert ist, dass eini­ge Han­dels­kon­zer­ne die­se Pra­xis damit begrün­den, dass die Boni als Net­to­zah­lung bei den Beschäf­tig­ten ankom­men sol­len. Das Finanz­mi­nis­te­ri­um hat bereits Bonus­zah­lun­gen bis 1.500 Euro steu­er­frei gestellt. Das gibt auch die Grö­ßen­ord­nung vor, in der sich ange­mes­se­ne Boni bewe­gen soll­ten. Was die Han­dels­kon­zer­ne bis­her vor­ge­legt haben, sind allen­falls Almo­sen. Beson­ders schä­men sol­len sich die­je­ni­gen, die gar kei­ne Boni aus­zah­len. Sich an der Mehr­ar­beit der Beschäf­tig­ten eine gol­de­ne Nase ver­die­nen und die Beschäf­tig­ten mit einem feuch­ten Hän­de­druck nach Hau­se schi­cken – das ist Geiz in höchs­ter Form.

Eine beson­de­re Art der Guts­her­ren­art zeigt REWE, die Markt­lei­te­rin­nen und Markt­lei­tern, die den gerings­ten Kun­den­kon­takt haben, den dop­pel­ten Bonus aus­zah­len. Hier wur­de die Natur der Kri­se offen­sicht­lich nicht ver­stan­den.

Der­zeit erhal­ten nor­ma­le Beschäf­tig­te von REWE ins­ge­samt maxi­mal 400 Euro, Beschäf­tig­te von EDE­KA Rein-Ruhr maxi­mal 500 Euro, wäh­rend die Beschäf­tig­ten von Real, Schwarz (Lidl Deutsch­land, Kauf­land), Glo­bus, Metro und den ALDI SÜDs mit Gut­schei­nen über gera­de mal bis zu 250 Euro abge­speist wer­den.

Auch da, wo die Läden geschlos­sen blei­ben, zeigt die Han­dels­bran­che den Beschäf­tig­ten wei­ter die kal­te Schul­ter. Die Han­dels­kon­zer­ne bie­ten den Beschäf­tig­ten durch­gän­gig kei­nen Tarif­ver­trag über höhe­res Kurz­ar­bei­ter­geld, kei­ne all­ge­mein­ver­bind­li­chen Tarif­ver­trä­ge und kei­ne ver­bind­li­chen fes­ten Zula­gen. Das ist zum Fremd­schä­men. Und es lässt nicht gera­de hof­fen, dass es nach Coro­na bes­ser wird.

Vor Beginn des Euro­grup­pen­tref­fens heu­te Nach­mit­tag mel­den sich Jörg Schind­ler, Bun­des­ge­schäfts­füh­rer der Par­tei DIE LIN­KE und Mar­tin Schir­de­wan, Ko-Vor­sit­zen­der der Links­frak­ti­on im Euro­päi­schen Par­la­ment und Mit­glied des Wirt­schafts- und Wäh­rungs­aus­schus­ses des Euro­päi­schen Par­la­men­tes, zu Wort. Jörg Schind­ler kom­men­tiert die Hal­tung der Bun­des­re­gie­rung:

Der Zusam­men­halt der EU hängt an ihrer Soli­da­ri­tät. Wenn in der Stun­de der Not das Haupt­in­ter­es­se eini­ger EU-Staa­ten ist, ande­ren Mit­glieds­staa­ten Regeln auf­zu­zwin­gen und die eige­nen Schäf­chen ins Tro­cke­ne zu brin­gen, wird die EU das nicht unbe­scha­det über­ste­hen. Wenn die EU selbst inmit­ten die­ser schreck­li­chen Pan­de­mie nicht im Stan­de ist, soli­da­risch zu han­deln, wird sie es nie­mals sein.

Es geht bei dem heu­ti­gen Tref­fen der Euro­grup­pe um nicht weni­ger als um die Zukunft der EU. Die Bun­des­re­gie­rung muss ihre Blo­cka­de­hal­tung gegen Coro­na-Bonds auf­ge­ben. Damit hilft sie nicht nur ihren Euro­päi­schen Part­nern, son­dern auch sich selbst.

Deutsch­land ist, mit Öster­reich, Finn­land und den Nie­der­lan­den eines von nur vier Län­dern, die die soli­da­ri­sche Lösung, die Coro­na-Bonds, rigo­ros ablehnt. Und mit Abstand das Ein­fluss­reichs­te. Wenn die Gro­ße Koali­ti­on ihre Blo­cka­de­hal­tung gegen Coro­na-Bonds nicht auf­gibt, macht sie sich zur Toten­grä­be­rin der euro­päi­schen Idee.

Dazu erklärt Mar­tin Schir­de­wan:

Es wäre fatal, falls sich die Euro­grup­pe nicht auf Coro­na-Bonds eini­gen kann. Doch statt­des­sen soll es wohl wie­der der Euro­päi­sche Sta­bi­li­täts­me­cha­nis­mus (ESM) rich­ten. Der ESM hat zu Recht einen schlech­ten Ruf als ein Instru­ment, um Schuld­ner­staa­ten eine mas­si­ve Kür­zungs­po­li­tik und dra­ma­ti­schen Sozi­al­ab­bau auf­zu­zwin­gen. Die bis­her betrof­fe­nen Staa­ten haben das nicht ver­ges­sen.

Die Coro­na-Kri­se bie­tet die Chan­ce, end­lich mit der fal­schen Aus­teri­täts­po­li­tik zu bre­chen und zu soli­da­ri­schen Lösun­gen zu fin­den. Falls die Bun­des­re­gie­rung und ande­re jedoch wei­ter an ihrer Beton­mau­er bau­en und den am stärks­ten von der Pan­de­mie betrof­fe­nen Län­dern wie­der ihre fal­sche Medi­zin ver­schrei­ben wol­len, dro­hen Auto­kra­ten und Rechts­po­pu­lis­ten die lachen­den Drit­ten zu sein.

Mar­tin Schir­de­wan (* 12. Juli 1975 in Ost-Ber­lin) ist ein deut­scher Poli­ti­ker (Die Lin­ke). Im Novem­ber 2017 rück­te Schir­de­wan für den aus­schei­den­den Euro­pa­ab­ge­ord­ne­ten Fabio De Masi nach und ist seit­dem Mit­glied des Euro­päi­schen Par­la­ments. Bei der Euro­pa­wahl 2019 kan­di­dier­te er als Spit­zen­kan­di­dat sei­ner Par­tei und ver­tei­dig­te sein Man­dat. Sei­ne Frak­ti­on, die Kon­fö­de­ra­le Frak­ti­on der Ver­ein­ten Euro­päi­schen Linken/Nordische Grü­ne Lin­ke, wähl­te ihn zum Co-Frak­ti­ons­vor­sit­zen der 9. Legis­la­tur­pe­ri­ode.

von Bernd Riex­in­ger

Alle wis­sen, dass das Über­le­ben des Pla­ne­ten auf dem Spiel steht, auch die Leug­ner der Kli­ma­kri­se. Alle wis­sen, dass rie­si­ge Umbrü­che kom­men wer­den. Doch wer wird mit was noch Pro­fi­te machen und wer wird über die Klin­ge sprin­gen?

Alle wis­sen, dass das Über­le­ben des Pla­ne­ten auf dem Spiel steht, auch die Leug­ner der Kli­ma­kri­se. Alle wis­sen, dass rie­si­ge Umbrü­che kom­men wer­den. Doch wer wird mit was noch Pro­fi­te machen und wer wird über die Klin­ge sprin­gen? Wie lan­ge wer­den die fos­si­len Kapi­tal­frak­tio­nen (Kon­zer­ne der Kohle‑, Auto- und Rüs­tungs­in­dus­trie) noch wei­ter­ma­chen kön­nen, bis sie ent­we­der mas­si­ve Inves­ti­tio­nen in ihren Umbau finan­zie­ren oder unter­ge­hen? Wird es ihnen gelin­gen, die Kos­ten für die Inves­ti­tio­nen auf die Beschäf­tig­ten und „Steu­er­zah­ler“ abzu­wäl­zen oder wer­den ihre Pro­fi­te geschmä­lert? Wer­den die Beschäf­tig­ten in den fos­si­len und tra­di­tio­nel­len Indus­tri­en mit den Risi­ken allein gelas­sen? Müs­sen sie ihre Fort­bil­dung selbst zah­len? Wer­den erst ihre Kin­der eine neue Chan­ce haben und ande­re Berufs­lauf­bah­nen ein­schla­gen, wie es in der Ver­gan­gen­heit meist war? Wer wird zah­len für die­je­ni­gen, deren Län­der zuerst über­flu­tet wer­den? Oder wird es eine gesamt­ge­sell­schaft­li­che Anstren­gung geben, um einen gerech­ten Über­gang für alle zu schaf­fen, vor allem aber für die­je­ni­gen, die den Reich­tum der Gesell­schaf­ten erar­bei­ten, sichern und mit ihrer Sor­ge­ar­beit ermög­li­chen? Das sind die Fra­gen der kom­men­den Jah­re. Es sind auch unse­re Fra­gen.

In sei­nem Buch über die Geschich­te und letzt­lich den Unter­gang der kom­mu­nis­ti­schen Par­tei Ita­li­ens beschreibt Lucio Magri min­des­tens vier Gefah­ren, an denen eine lin­ke Par­tei schei­tern kann: An Oppor­tu­nis­mus und Anpas­sung, also man­geln­dem Mut zum Wider­stand. An Sek­tie­rer­tum und der Bes­ser­wis­se­rei, dass die rich­ti­gen Posi­tio­nen zu ver­tre­ten wich­ti­ger ist als Bünd­nis­se mit den tat­säch­lich han­deln­den Kräf­ten ein­zu­ge­hen und sie vor­an­zu­brin­gen. Schließ­lich: Wenn sie nicht bereit ist, sich gesell­schaft­li­chen Umbrü­chen zu stel­len. Und an man­geln­der inne­rer Soli­da­ri­tät. Ich glau­be: DIE LIN­KE ist die ein­zi­ge Par­tei, die eine ange­mes­se­ne Ant­wort auf die rie­si­gen Auf­ga­ben der Kli­ma­kri­se und die sozia­len Ver­wer­fun­gen hat. Jetzt geht es dar­um zu zei­gen, dass wir genü­gend inne­re Soli­da­ri­tät haben, um über die Details zu dis­ku­tie­ren, zu strei­ten und zu einem gemein­sa­men, muti­gen, wider­stän­di­gen, gesell­schaft­li­chen Pro­jekt zu kom­men, für das wir zusam­men mit allen kämp­fen, die wis­sen, dass es so nicht wei­ter gehen kann und die dafür nicht die­je­ni­gen zah­len las­sen wol­len, auf deren Kos­ten es ohne­hin immer geht.

Die­se Stra­te­gie­kon­fe­renz ist ein Teil die­ses Pro­zes­ses. Hun­der­te von Ein­sen­dun­gen aus der Mit­te der Par­tei zei­gen: DIE LIN­KE ist eine enga­gier­te und leben­di­ge Par­tei, ihre Mit­glie­der stel­len sich den Fra­gen der Zeit und zwar kamp­fes­lus­tig nach außen, aber mit dem Wunsch nach einer soli­da­ri­schen, akti­ven Par­tei, in der der Spaß am Wider­stand und demo­kra­ti­schen For­men Hand in Hand gehen. Drei Lini­en las­sen sich mei­nes Erach­tens in den vie­len Ein­sen­dun­gen erken­nen: Ers­tens, wie brin­gen wir einen sozia­len und öko­lo­gi­schen Sys­tem­wech­sel zu einem LIN­KEN Pro­jekt zusam­men? Zwei­tens, wie wer­den wir wirk­mäch­tig und wie stel­len wir „die Macht­fra­ge“? Drit­tens, was macht eine ver­bin­den­de, ein­la­den­de, akti­ve und demo­kra­ti­sche Par­tei aus, die stark genug für die anste­hen­den Umbrü­che ist?

Im Fol­gen­den stel­le ich mei­nen Vor­schlag vor:

  1. Der neo­li­be­ra­le Kapi­ta­lis­mus stößt an Gren­zen. In den nächs­ten Jah­ren geht es dar­um, die Demo­kra­tie gegen einen auto­ri­tä­ren Kapi­ta­lis­mus zu ver­tei­di­gen und ihre sozia­le Grund­la­ge zu erneu­ern. Nur mit einem sozia­len und öko­lo­gi­schen Sys­tem­wech­sel kön­nen wir ein bes­se­res Leben für alle schaf­fen.

Die Kli­ma­kri­se ist unge­löst, neue Ver­tei­lungs­kämp­fe ste­hen bevor, wenn die Wirt­schaft umstruk­tu­riert wird. Ungleich­heit und Kon­zen­tra­ti­on von wirt­schaft­li­cher Macht und Eigen­tum neh­men zu. Die Kli­ma­kri­se und die Digi­ta­li­sie­rung wer­den sozia­le Erschüt­te­run­gen und neue Wirt­schafts­kri­sen brin­gen. Es gibt aus den Kapi­tal­frak­tio­nen und ihren poli­tisch Ver­bün­de­ten her­aus Bestre­bun­gen nach einem auto­ri­tä­ren Kapi­ta­lis­mus, wie wir ihn unter Trump, Erdo­gan, Orban und ande­ren schon erle­ben.

Die Gefahr von rechts ist dabei nicht auf die AfD begrenzt. Wir wuss­ten schon, dass Tei­le der CDU und der FDP nach rechts offen sind. Aber die Wahl eines Minis­ter­prä­si­den­ten mit Stim­men von AfD, CDU und FDP, die For­de­run­gen nach einer „Exper­ten­re­gie­rung“, die sich de fac­to auch auf die Stim­men der AfD stützt, mar­kie­ren einen Bruch. Wäh­rend DIE LIN­KE auf die kol­lek­ti­ve Weis­heit der Vie­len setzt, und dar­auf, dass die Men­schen die Expert*innen ihres Lebens sind, ist die „Exper­ten­re­gie­rung“ eine alte Idee der Klas­si­ker des Neo­li­be­ra­lis­mus. Sie ver­bin­det anti­de­mo­kra­ti­sche, faschis­ti­sche Ele­men­te mit den Inter­es­sen des Kapi­tals. Tei­le von Uni­on und FDP pak­tie­ren lie­ber mit Faschis­ten als den Wunsch einer Mehr­heit der Thü­rin­ger Bevöl­ke­rung nach einem lin­ken Minis­ter­prä­si­den­ten zu respek­tie­ren. Die Erfah­rung der Wei­ma­rer Repu­blik lehrt: Die Demo­kra­tie stirbt, wenn ihre sozia­le Grund­la­ge aus­ge­höhlt wird. Abstiegs­angst und Angst vor einer Zukunft, der Raub der Wür­de im All­tag und ein ent­fes­sel­ter Kon­kur­renz­kampf im All­tag, um Arbeit, Woh­nen und Bil­dung, haben Ell­bo­gen-Men­ta­li­tä­ten und Aus­gren­zung beför­dert. Ras­sis­mus und rech­te Gewalt gegen Min­der­hei­ten sind wie­der salon­fä­hig gewor­den. Unteil­ba­re Soli­da­ri­tät, der Ein­satz für sozia­le Gerech­tig­keit und gegen jede Form der Aus­beu­tung und Dis­kri­mi­nie­rung sind daher gefor­dert. Wer Kli­ma­schutz und die Inter­es­sen der Men­schen auf sozia­le Absi­che­rung und ein Ein­kom­men gegen­ein­an­der stellt, gießt Was­ser auf die Müh­len der Rech­ten. ­ Der Aus- und Auf­bau einer funk­tio­nie­ren­den öffent­li­chen Daseins­vor­sor­ge, eines demo­kra­ti­schen Sozi­al­staats der Zukunft, der auf Umver­tei­lung und Gerech­tig­keit basiert und nicht auf Ent­wür­di­gung müs­sen im Mit­tel­punkt eines LIN­KEN Pro­jekts ste­hen. Auch als Boll­werk gegen rechts.

Die 2020er Jah­re wer­den bei einem gerin­gen Wirt­schafts­wachs­tum oder neu­en Wirt­schafts­kri­sen von schär­fe­ren Ver­tei­lungs­kämp­fen um die Zukunft des Sozi­al­staa­tes geprägt sein. Der neue Hoff­nungs­trä­ger der Uni­on, Fried­rich Merz, steht dafür, dass die fos­si­len Kapi­tal­frak­tio­nen noch schnell Pro­fi­te machen kön­nen. Wenn er von der Ver­tei­di­gung „frei­heit­li­cher Lebens­wei­se“ spricht, meint er vor allem die Frei­heit für Kon­zer­ne wie Black­rock: unre­gu­lier­te Finanz­märk­te, Umwelt­zer­stö­rung als Geschäfts­mo­dell, Pri­va­ti­sie­rung der Ren­te und Abbau des Sozi­al­staa­tes.

Die Moder­ni­sie­rung des Finanz­markt­ka­pi­ta­lis­mus kann die gesell­schaft­li­chen Pro­ble­me und Kri­sen nicht lösen, weder das Kli­ma ret­ten, noch das Leben der Mehr­heit der Men­schen ver­bes­sern. In die Lücke, die eine aus­ge­zehr­te und zer­ris­se­ne Uni­on und eine ero­die­ren­de SPD las­sen, sto­ßen die Grü­nen. Dafür haben sie sich wei­ter in die Mit­te, in Rich­tung Kapi­tal und Anschluss­fä­hig­keit an die Kon­ser­va­ti­ven bewegt. Von ihnen ist kei­ne gerech­te Ver­tei­lung des Reich­tums zu erwar­ten. Sie suchen nicht den Kon­flikt mit den gro­ßen Kon­zer­nen, die zu den Haupt­ver­ur­sa­chern des Kli­ma­wan­dels gehö­ren. Und sie wer­den die Inter­es­sen der Beschäf­tig­ten nicht nur in den Regio­nen und Sek­to­ren im wirt­schaft­li­chen Umbruch über die Klin­ge sprin­gen las­sen. Ohne star­ke Gewerk­schaf­ten, ohne einen Kon­flikt nicht nur mit der fos­si­len Indus­trie, son­dern mit der Kapi­tal­sei­te ins­ge­samt, ohne Demo­kra­ti­sie­rung der Wirt­schaft und einer Umver­tei­lung von den Pro­fi­ten zu den Löh­nen, wird sich kei­ne sozi­al und öko­lo­gisch gerech­te Zukunft errei­chen las­sen.

  1. DIE LIN­KE hat ein gesell­schaft­li­ches Pro­jekt, das bei­des zusam­men­bringt. Der sozia­le und öko­lo­gi­sche Sys­tem­wech­sel oder – wie er von Cor­byn bis San­ders genannt wird – ein lin­ker „Green New Deal“ ist der Vor­schlag für eine rea­lis­ti­sche wie an die Wur­zel der Pro­ble­me gehen­de Alter­na­ti­ve.Er ist ein inter­na­tio­na­les Hoff­nungs­pro­jekt.

Eine Mehr­heit der Men­schen in Deutsch­land wünscht sich eine Poli­tik, die sozia­le Gerech­tig­keit und Kli­ma­schutz ver­bin­det. Sie fra­gen sich: wie kön­nen wir gut leben und das Kli­ma ret­ten? DIE LIN­KE Ant­wort ist: mit einem grund­le­gen­den Umbau von Wirt­schaft und Gesell­schaft. Kein Schum­meln, kei­ne Abkür­zun­gen, kein Ver­spre­chen, dass wir’s rich­ten, ohne dass sich was ändert. Aber mit mehr demo­kra­ti­scher Steue­rung, mit mehr kol­lek­ti­ver Selbst­be­stim­mung. Dafür müs­sen wir ein gesell­schafts­po­li­ti­sches Pro­jekt in den Mit­tel­punkt unse­rer Poli­tik stel­len.

Der Ein­satz für sozia­le Gerech­tig­keit, Frie­den und eine demo­kra­ti­sche Wirt­schaft und Gesell­schaft ver­bin­det uns als Lin­ke. Dabei dür­fen wir uns nicht in einer Viel­zahl von wich­ti­gen The­men und Ein­zel­for­de­run­gen ver­zet­teln, die neben­ein­an­der ste­hen blei­ben. Wir gehen von dem aus, was ver­nünf­tig und mensch­lich ist:Kein Mensch darf dazu gezwun­gen, sich zwi­schen einem guten Leben im Hier und Jetzt und der Zukunft unse­res Pla­ne­ten ent­schei­den zu müs­sen. Kei­ne Arbei­te­rin und kein Arbei­ter darf gezwun­gen wer­den, sich zwi­schen einem guten Arbeits­platz und der Zukunft ihrer Kin­der ent­schei­den zu müs­sen. Der Kern­ge­dan­ke eines lin­ken Green New Deal ist ein­fach erklärt: das Kli­ma ret­ten, indem wir in sinn­vol­le Arbeit und sozia­le Sicher­heit für alle inves­tie­ren, und so den sozi­al­öko­lo­gi­schen Umbau der Wirt­schaft vor­an­brin­gen.

In den USA mobi­li­siert Ber­nie San­ders und die mit ihm ver­bun­de­nen Bewe­gung Hun­dert­tau­sen­de für einen „Green New Deal“. In Groß­bri­tan­ni­en hat die Labour Par­ty mit ihrer Ver­si­on eines Green New Deal knapp ein Drit­tel der Wähler*innen mobi­li­siert. Auch in Frank­reich, Irland, Por­tu­gal, Spa­ni­en und Skan­di­na­vi­en stellt die Lin­ke offen­siv die Fra­ge eines sozi­al-öko­lo­gi­schen Sys­tem­wan­dels. Wenn es uns gelingt, uns inter­na­tio­nal auf gemein­sa­me Alter­na­ti­ven zu ver­stän­di­gen und wirk­li­che Bewe­gung zu ent­fal­ten, haben wir die his­to­ri­sche Chan­ce, nach Jahr­zehn­ten der Defen­si­ve der Lin­ken, über Gren­zen hin­weg die Per­spek­ti­ve eines Sys­tem­wan­dels wie­der „popu­lär“ zu machen. Ein neu­es gesell­schafts­po­li­ti­sches Pro­jekt braucht dabei auch kla­re Begrif­fe und eine aus­strah­len­de Erzäh­lung. Ent­schei­dend sind aber nicht die Über­schrif­ten, die wir wäh­len, son­dern der Vor­schlag für ein Bünd­nis einer abso­lu­ten Mehr­heit der Men­schen.

Ein lin­ker Green New Deal geht davon aus, dass Beschäf­ti­ge in der Indus­trie, im pri­va­ten Dienst­leis­tungs­sek­tor und in den wach­sen­den sozia­len Dienst­leis­tun­gen nur gemein­sam sinn­vol­le und siche­re Arbeit und gute Löh­ne durch­set­zen kön­nen. Und dass sie dabei zugleich zu Vor­rei­tern für die Ret­tung des Kli­mas wer­den kön­nen: durch den Umbau zu einer kli­ma­neu­tra­len und soli­da­ri­schen Wirtschaft(sordnung). Das wäre ver­bin­den­de Kas­sen­po­li­tik ganz prak­tisch.

  1. Ein sozia­ler und öko­lo­gi­scher Sys­tem­wech­sel schafft ein neu­es Wohl­stands­mo­dell mit sozia­ler Sicher­heit für alle, mehr Zeit, einer kli­ma­neu­tra­len Wirt­schaft und einer Infra­struk­tur für ein gutes Leben.

Sozia­ler und öko­lo­gi­scher Sys­tem­wech­sel heißt, für ein neu­es Wohl­stands­mo­dell zu kämp­fen, das die Inter­es­sen der Men­schen in den Mit­tel­punkt stellt, statt die Pro­fi­te von Weni­gen:

  • Sinn­vol­le und siche­re Arbeit, die zum Leben passt. Mit Löh­nen, die für ein gutes Leben rei­chen. Und ver­kürz­ten Arbeits­zei­ten. Weni­ger Stress und mehr Zeit fürs Zusam­men­sein mit Fami­lie und Freun­den, für sozia­les Enga­ge­ment und Krea­ti­vi­tät – für alle. Der Staat muss die Rah­men­be­din­gun­gen durch die Stär­kung flä­chen­de­cken­der Tarif­ver­trä­ge, einen höhe­ren Min­dest­lohn und die schritt­wei­se Absen­kung der wöchent­li­chen Höchst­ar­beits­zeit schaf­fen. Durch Arbeits­zeit­ver­kür­zung mit Lohn­aus­gleich kann Beschäf­ti­gung in der Indus­trie in den nächs­ten Jahr­zehn­ten auch ange­sichts der Digi­ta­li­sie­rung und wäh­rend des Umbaus der Pro­duk­ti­on gesi­chert wer­den. Die ekla­tan­te Ungleich­heit bei Löh­nen und Arbeits­zei­ten, die sich in den letz­ten Jah­ren ent­wi­ckelt hat, wol­len wir über­win­den.
  • Ein star­ker Sozi­al­staat sichert durch sozia­le Garan­ti­en den Lebens­stan­dard, bekämpft Armut und sorgt für gerech­te Über­gän­ge in der Trans­for­ma­ti­on. Gerech­te Über­gän­ge zu einer kli­ma­neu­tra­len Wirt­schaft und Arbeits­welt heißt auch: Ein umfas­sen­des Recht auf kos­ten­freie Bil­dung und Wei­ter­bil­dung und eine Ver­si­che­rung gegen Erwerbs­lo­sig­keit, die den Lebens­stan­dard auch in Umbruch­pha­sen sichert. Die Hoch­schu­len wer­den für Beschäf­tig­te, die sich wei­ter­qua­li­fi­zie­ren wol­len, geöff­net. Ein Wei­ter­qua­li­fi­zie­rungs­geld sichert den Lebens­stan­dard von Beschäf­tig­ten. Arbeit in sozia­len Dienst­leis­tun­gen und ande­ren gesell­schaft­lich sinn­vol­len Berei­chen wie ÖPNV, Umwelt­schutz wird mas­siv auf­ge­wer­tet und bes­ser bezahlt.
  • Mehr Lebens­qua­li­tätdurch eine hoch­wer­ti­ge und kli­ma­neu­tra­le sozia­le Infra­struk­tur. Ein lin­ker Green New Deal schafft demo­kra­ti­sches Eigen­tum an der Infra­struk­tur und eine Re-Kom­mu­na­li­sie­rung pri­va­ti­sier­ter Berei­che wie Woh­nen, Kran­ken­häu­ser und Pfle­ge­ein­rich­tun­gen, Nah­ver­kehr und Ener­gie­ver­sor­gung. Es geht nicht nur um öffent­li­che und funk­tio­nie­ren­de sozia­le Infra­struk­tur, son­dern um eine höhe­re Lebens­qua­li­tät für alle: Zugang zu Pfle­ge, Gesund­heits­ver­sor­gung, Bil­dung und Wei­ter­bil­dung, Mobi­li­tät und Ener­gie­ver­sor­gung. Eine Mobi­li­täts­wen­de in den Städ­ten und auf dem Land, mit aus­ge­bau­tem und per­spek­ti­visch kos­ten­frei­em Nah­ver­kehr. Durch mas­si­ve Inves­ti­tio­nen in die Erneue­rung der Infra­struk­tur und in die Ener­gie­wen­de kön­nen wir den Umbau zu kli­ma­ge­rech­ten Kom­mu­nen bis 2030 schaf­fen.
  • Kli­ma­neu­tra­le Indus­trie bis 2035. Wir wol­len die Indus­trie­pro­duk­ti­on co2-neu­tral und ener­gie-effi­zi­ent gestal­ten und die Indus­trie­struk­tur in Deutsch­land unab­hän­gi­ger von fos­si­len Expor­ten machen. Indus­trie­be­rei­che, die bis­her Men­schen und Kli­ma scha­den, müs­sen umge­baut wer­den, z.B. die Rüs­tungs­in­dus­trie, umwelt­schäd­li­che Plas­tik- und Che­mie­pro­duk­ti­on. Zugleich wür­den neue, gut bezahl­te und kli­ma-neu­tra­le Arbeits­plät­ze geschaf­fen. Ein lin­ker Green New Deal setzt daher auf mehr Demo­kra­tie in der Wirt­schaft und demo­kra­ti­sche Eigen­tums­for­men. Gemein­sam mit Beschäf­tig­ten und Gewerk­schaf­ten, unab­hän­gi­gen Wissenschaftler*innen und regio­na­len Wirt­schafts- und Sozi­al­rä­ten wer­den ver­bind­li­che Bran­chen­zie­le erar­bei­tet. Mit einem Trans­for­ma­ti­ons- und Kon­ver­si­ons­fonds wird sozi­al-öko­lo­gi­sche Inno­va­ti­on in Indus­trie-Unter­neh­men geför­dert. Die Inves­ti­ti­ons­mit­tel wer­den im Gegen­zug für Beschäf­ti­gungs­ga­ran­ti­en und Beleg­schafts­ei­gen­tums­an­tei­le ver­ge­ben.
  • Das Fest­hal­ten an Schwar­zer Null und Schul­den­brem­se ist Wahn­sinn, der auf Kos­ten unse­rer Lebens­qua­li­tät geht und die Zukunft der kom­men­den Genera­tio­nen ver­spielt! Wenn wir die Super­rei­chen und die Kon­zer­ne ange­mes­sen besteu­ern, ist eine Kli­ma- und Gerech­tig­keits­wen­de finan­zier­bar.

Wir wer­den anders, aber glück­li­cher zusam­men­le­ben. Weil die Arbeit Aller aner­kannt ist und nie­mand sich auf Kos­ten der Ande­ren berei­chert. Weil die Bezie­hun­gen unter­ein­an­der end­lich auf Augen­hö­he funk­tio­nie­ren kön­nen. Dabei muss uns klar sein, dass ein sol­cher Ansatz nur mög­lich ist, wenn welt­weit abge­rüs­tet und die gefähr­li­che Spi­ra­le von Auf­rüs­tung und Krieg been­det wird. Ein welt­wei­ter öko­lo­gi­scher Sys­tem­wech­sel, der allen Men­schen das Recht auf ein Leben in Frie­den und sozia­ler Sicher­heit zuge­steht, ist das Gegen­teil von der heu­ti­gen welt­wei­ten impe­ria­len Welt­ord­nung, deren größ­te Akteu­re kei­ne Scheu haben ihre Vor­macht­stel­lung mit mili­tä­ri­scher Gewalt zu ver­tei­di­gen.

  1. Für Ein­stie­ge in einen sozia­len und öko­lo­gi­schen Sys­tem­wech­sel brau­chen wir gesell­schaft­li­che Mehr­hei­ten und außer­par­la­men­ta­ri­schen Druck. DIE LIN­KE kann als ver­bin­den­de und orga­ni­sie­ren­de Mit­glie­der­par­tei die trei­ben­de Kraft für ein neu­es gesell­schaft­li­ches Bünd­nis sein.

Kei­ne sozia­le Bewe­gung in Deutsch­land ist für sich stark genug, um einen gesell­schaft­li­chen Kurs­wech­sel zu erzwin­gen. Kli­ma­be­we­gung, Gewerk­schaf­ten, Sozi­al­ver­bän­de, Mie­ten­pro­tes­te, die anti­ras­sis­ti­schen Bewe­gun­gen gegen rechts und die Frau­en­be­we­gun­gen könn­ten gemein­sam das Land ver­än­dern. Ein sol­ches Bünd­nis ent­steht nicht von allein, es muss geschmie­det wer­den. DIE LIN­KE ist die ein­zi­ge Par­tei, die all die­se Bewe­gun­gen (und noch mehr) in sich trägt und zusam­men brin­gen könn­te. Wir wol­len gesell­schaft­li­che Mehr­hei­ten für einen wirk­li­chen Poli­tik- statt nur Regie­rungs­wech­sel schaf­fen, für Ein­stie­ge in den Aus­stieg aus dem Kapi­ta­lis­mus.

Eine sol­che Mam­mut­auf­ga­be müs­sen wir gemein­sam in kon­kre­te Schrit­te über­set­zen. Wir müs­sen an exem­pla­ri­schen Kon­flik­ten­an­set­zen: wir kön­nen den Kampf um bezahl­ba­res Woh­nen und den Aus­bau des ÖPNV mit der Per­spek­ti­ve kli­ma­neu­tra­ler Kom­mu­nen ver­bin­den. In Streiks um höhe­re Löh­ne oder um mehr Per­so­nal in der Pfle­ge ver­mit­teln wir unse­ren Plan, um sinn­vol­le Arbeit und Löh­ne, die für ein gutes Leben rei­chen, für alle zu schaf­fen. Im März will ich mit einem Mani­fest für eine ver­bin­den­de und orga­ni­sie­ren­de Mit­glie­der­par­tei der Zukunft die Dis­kus­si­on wei­ter beför­dern und Vor­schlä­ge machen, wie wir die orga­ni­sie­ren­de Arbeit der LIN­KEN stär­ken kön­nen. DIE LIN­KE hat das Zeug zu einer Par­tei mit über 100.000 Mit­glie­dern und zur trei­ben­den Kraft für einen sozia­len und öko­lo­gi­schen Sys­tem­wech­sel zu wer­den.

Die sozia­le Revo­lu­ti­on (…) kann ihre Poe­sie nicht aus der Ver­gan­gen­heit schöp­fen, son­dern nur aus der Zukunft (Karl Marx). Lasst uns ein gesell­schaft­li­ches Zukunfts­pro­jekt auf die Füße stel­len, für das es sich zu kämp­fen lohnt.

Zur heu­te anste­hen­den Ent­schei­dung im Bun­des­tag über die Ver­län­ge­rung der Miet­preis­brem­se sagt Bernd Riex­in­ger, Vor­sit­zen­der der Par­tei DIE LIN­KE:

Miet­preis­brem­se hat den Anstieg der Mie­ten kaum gebremst. Sie hat­te zuvie­le Aus­nah­men und prak­tisch kei­ne Stra­fen bei Ver­stö­ßen. Das wird sich auch mit der klei­nen Ver­bes­se­rung, die bei der aktu­el­len Ver­län­ge­rung beschlos­sen wur­de, nicht grund­sätz­lich ändern.

Mit Sanie­run­gen und Möblie­run­gen ist es viel zu leicht, die Miet­preis­brem­se zu umge­hen. Beson­ders absurd ist aber, dass kei­ner­lei Stra­fen vor­ge­se­hen sind, wenn Ver­mie­ter die Miet­preis­brem­se ein­fach voll­stän­dig igno­rie­ren. Dass mit der Neu­re­ge­lung zumin­dest für zwei­ein­halb Jah­re zuviel gezahl­te Mie­ten zurück­ge­for­dert wer­den kön­nen, ist ein Fort­schritt. War­um nicht alle zu unrecht gefor­der­ten Beträ­ge mit Zin­sen zurück­ge­zahlt wer­den müs­sen, bleibt das Geheim­nis der Koali­ti­on, die sich hier wei­ter vor allem als Ver­mie­ter­schüt­ze­rin prä­sen­tiert. Tat­säch­lich wird die Rück­zah­lung in viel zu weni­gen Fäl­len zum Tra­gen kom­men. Für den Mie­ter ist in den meis­ten Fäl­len kaum nach­voll­zieh­bar, wie hoch die Vor­mie­te war, zumal ja de fac­to Bestands­schutz für über­höh­te Mie­ten gilt. Also: Die Miet­preis­brem­se war weit­ge­hend wir­kungs­los und das wird sie nach dem Wil­len der Gro­Ko auch blei­ben.

Klei­ne Nach­jus­tie­run­gen bei der Miet­preis­brem­se rei­chen nicht. Die Miet­preis­brem­se braucht einen Aus­tausch der Brems­klöt­ze. Die Ver­mie­ter müs­sen ver­pflich­tet wer­den, die Vor­mie­te offen zu legen, alle Ein­nah­men aus zu hohen Miet­for­de­run­gen müs­sen zurück­ge­zahlt wer­den und Ver­stö­ße gegen die Miet­preis­brem­se müs­sen so bestraft wer­den, dass sie sich nicht loh­nen. Erst damit kön­nen die im Gesetz vor­ge­se­he­nen Begren­zun­gen für den Anstieg der Miet­prei­se über­haupt grei­fen. Außer­dem müs­sen die Aus­nah­men gestri­chen und die Miet­preis­brem­se ent­fris­tet wer­den. Außer­dem brau­chen wir über­all Mie­ten­de­ckel wie in Ber­lin.

Zur Münch­ner Sicher­heits­kon­fe­renz 2020 erklärt Tobi­as Pflü­ger, stell­ver­tre­ten­der Par­tei­vor­sit­zen­der der Par­tei DIE LIN­KE und ver­tei­di­gungs­po­li­ti­scher Spre­cher der Links­frak­ti­on:

Bei der so genann­ten Sicher­heits­kon­fe­renz steht in die­sem Jahr beson­ders die Auf­rüs­tung der EU und Deutsch­lands auf der Agen­da. Da wer­den Abstiegs­ängs­te geschürt („Kri­se des Wes­tens“), um die Auf­rüs­tung der Euro­päi­schen Uni­on zur Welt­macht zu for­dern. Pas­send dazu ver­un­glimpft Kon­fe­renz­lei­ter Wolf­gang Ischin­ger Abrüs­tung als Traum­tän­ze­rei. Sein erklär­tes Ziel ist es, Deutsch­land und die EU mili­tä­risch hand­lungs­fä­hig zu machen. Der UN-Bot­schaf­ter Chris­toph Heus­gen meint, Deutsch­land kom­me inter­na­tio­nal eine beson­de­re Rol­le und Füh­rungs­auf­ga­be zu. Nach Wolf­gang Ischin­ger muss Deutsch­land dabei auch mehr in der Lage sein, mit mili­tä­ri­schen Mit­teln zu dro­hen.

Genau das lehnt DIE LIN­KE ab: Wir brau­chen kei­ne Groß­macht­phan­ta­si­en in Euro­pa und Deutsch­land, son­dern not­wen­dig sind Initia­ti­ven für kol­lek­ti­ve Sicher­heit und Rüs­tungs­kon­trol­le. Abrüs­tung ist das Gebot der Stun­de.

Auch in die­sem Jahr wird auf der so genann­ten Sicher­heits­kon­fe­renz in Mün­chen wie­der viel von Frie­den gere­det. Die Rea­li­tät ist lei­der eine ande­re. Welt­weit wird mas­siv auf­ge­rüs­tet, wie die SIPRI-Zah­len bele­gen, boomt das Geschäft mit Rüs­tungs­ex­por­ten. Mit Defen­der 2020 ist gera­de ein Groß­ma­nö­ver in Deutsch­land ange­lau­fen, mit dem der Auf­marsch an der rus­si­schen Gren­ze geübt wird, und wie es das seit 1990 in Euro­pa nicht mehr gege­ben hat.

In Mün­chen sit­zen die Pro­fi­teu­re der gegen­wär­ti­gen Auf­rüs­tungs­po­li­tik alle mit am Tisch: Zu den Haupt­spon­so­ren der Sicher­heits­kon­fe­renz gehö­ren die­ses Jahr die Rüs­tungs­kon­zer­ne Air­bus, Lock­heed Mar­tin, Ray­the­on und Rhein­me­tall. Mit dabei sind aber auch Krauss-Maff­ei Weg­mann, Hen­soldt, BAE Sys­tems, MBDA und Socar, die staat­li­che Ölge­sell­schaft von Aser­bai­dschan, und das ägyp­ti­sche Unter­neh­men Artoc. Die Anbah­nung wei­te­rer Geschäf­te zwi­schen Kon­zer­nen und Regie­run­gen, auch auto­ri­tä­rer Regime, ist Teil des Kon­zepts der Sicher­heits­kon­fe­renz.

Als LIN­KE sind wir Teil der Pro­tes­te gegen die Sicher­heits­kon­fe­renz. Wir sagen: Stoppt end­lich Auf­rüs­tung und Wett­rüs­ten. Es ist ein gefähr­li­cher Trug­schluss zu glau­ben, mehr Waf­fen schaf­fen auch mehr Sicher­heit.

Zum Safer Inter­net Day 2020, mit dem Schwer­punkt „Ido­le im Netz. Influ­en­cer & Mei­nungs­ma­che“, erklärt Kat­ja Kip­ping, Vor­sit­zen­de der Par­tei DIE LIN­KE:

Die Digi­ta­li­sie­rung der letz­ten Jahr­zehn­te hat unser Leben in vie­len Berei­chen posi­tiv ver­än­dert. Wir sind in der Lage, in Echt­zeit mit Men­schen rund um den Glo­bus zu spre­chen. Mit neu­en Gad­gets ist es uns mög­lich, unser Leben zu opti­mie­ren und zu erfas­sen. Beson­ders für Kin­der und Jugend­li­che ist die­se digi­ta­le Welt Teil ihrer Lebens­wirk­lich­keit.

Gaming und die Nut­zung von Soci­al Media-Kanä­len, wie Insta­gram oder Tik-Tok, gehö­ren mitt­ler­wei­le zum Lebens­all­tag vie­ler Kin­der und Jugend­li­cher. Influ­en­cer haben in die­sem Raum die Funk­ti­on von Pop­stars und Infor­ma­ti­ons­quel­len über­nom­men. Dabei haben die Top Play­er Fol­lo­wer-Zah­len im Mil­lio­nen­be­reich. Wie stark deren Ein­fluss auf Jugend­li­che ist, zeigt eine Ver­brau­cher­be­fra­gung des Bun­des­ver­ban­des Digi­ta­le Wirt­schaft, die her­vor­hebt, dass beson­ders jun­ge Men­schen ihre Kauf­ent­schei­dun­gen von Influ­en­cern abhän­gig machen und sie mitt­ler­wei­le für vie­le Jugend­li­che den Stel­len­wert einer Kom­bi­na­ti­on aus Freun­din oder Freund und Vor­bild­funk­ti­on dar­stel­len.

Lei­der ist die Gesell­schaft nur bedingt in der Lage, Kin­der und Jugend­li­che der­zeit ver­nünf­tig dar­auf vor­zu­be­rei­ten, wie sie mit ver­schie­de­nen Ent­wick­lun­gen der Digi­ta­li­sie­rung umge­hen sol­len. Dabei bie­tet die­se eine Viel­zahl von posi­ti­ven Ent­wick­lun­gen, die Kin­der von der Pike auf ler­nen müs­sen, um sie ver­ant­wor­tungs­be­wusst nut­zen zu kön­nen. Gleich­zei­tig müs­sen wir sie im Umgang mit nega­ti­ven Aspek­ten, wie Hate Speech oder Phi­sing Mails, schu­len, um sie vor die­sen zu schüt­zen.

Was es braucht, ist ein Unter­richt, der an die Lebens­wirk­lich­keit der Kin­der und Jugend­li­chen andockt und Kom­pe­ten­zen ver­mit­telt, die fit für den digi­ta­len All­tag machen – und das bereits ab dem Grund­schul­al­ter. Kin­der und Jugend­li­che müs­sen in die Lage ver­setzt wer­den, einen kom­pe­ten­ten Umgang mit Web-Inhal­ten und digi­ta­len Anwen­dun­gen zu erler­nen. Es ist an der Zeit, dass sich Schu­le die­sen Ent­wick­lun­gen stellt und ent­spre­chend han­delt. Des­halb for­de­re ich die Ein­füh­rung eines bun­des­wei­ten Schul­fachs „Digi­ta­le Selbst­ver­tei­di­gung und Mün­dig­keit“.

Neu­es­te Bei­trä­ge

Bezahl­ba­re Mie­te!
22. Mai 2020
Int. Tag gegen Homo­pho­bie!
17. Mai 2020
Klat­schen zahlt kei­ne Mie­te!
12. Mai 2020
Tag der Befrei­ung – was sonst!
8. Mai 2020
1. Mai
1. Mai 2020

Kate­go­ri­en

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